Das Ludwig Hoffmann Quartier und seine Geschichte


Zwischen 1896 und 1924 schuf Ludwig Hoffmann als Stadtbaurat der Berliner Hochbauverwaltung eine umfangreiche Architektur. Zu seinen größten Bauanlagen gehören 13 Krankenhausanstalten, Heil-, Pflege- und Heimstätten, von denen fünf in Buch gebaut wurden. Es waren Anstalten für tuberkulose Lungenkranke, für Hospitaliten und leichte Sieche sowie für psychiatrisch Kranke, also Einrichtungen, die in der kaiserlichen Haupt- und Residenzstadt unerwünscht waren.

Zwischen 1900 und 1929 entstand in Berlin mit 5.500 Betten eine Krankenhausstadt, in der Hoffmanns letzte Anstalt, das Hospital Buch-West für Lungenkranke, erst von seinem Amtsnachfolger Martin Wagner fertig gestellt werden konnte.

An der Wiltbergstraße (damals Schönerlinder Straße) befindet sich Hoffmanns zweitgrößter Bautenkomplex in Buch, der als 4. Berliner Irrenanstalt für 1.560 Patienten konzipiert war. Die 1907 entworfene und von 1909 bis 1914/15 erbaute Anstalt wurde nie für diesen Zweck genutzt, sondern erhielt nach dem Beginn des 1. Weltkrieges im Oktober 1914 eine provisorische Nutzung als Reserve-Kriegslazarett. Zu diesem Zeitpunkt waren von 34 geplanten Gebäuden erst 12 bezugsfertig. Nach Fertigstellung der restlichen (insgesamt 32) konnten ab 1916 bis 2.500 Verwundete behandelt werden.

Im März 1919 erfolgte die Eröffnung der Anlage als Kinderheilanstalt mit der Bezeichnung „Genesungsheim der Stadt Berlin in Buch“. Aufgenommen wurden Kinder mit Tuberkulose, Rachitis, Infektionskrankheiten, Haut-, Haar- und Geschlechtskrankheiten. Außerdem gehörte eine neurologische Abteilung zur Kinderheilanstalt, die zeitweilig über 870 Betten verfügte und die größte Einrichtung dieser Art in Berlin war.

1919 wurden sehr wahrscheinlich auch die Skulpturen und die zahlreichen Brunnen in der Gartenanlage aufgestellt, die auf Abbildungen aus den Jahren 1915/16 noch nicht vorhanden waren.

1927/28 entstanden zur Behandlung der Tuberkulose und Rachitis vier hölzerne Liegehallen sowie ein Senkgarten für Luftkuren. Außerdem kam die Anstaltsgärtnerei mit gläsernen Gewächshäusern hinzu.

1932 wurden zwei leerstehende Reservehäuser mit siechen Frauen aus dem Hospital Fröbelstraße/Prenzlauer Berg belegt und damit das Hospital Buch-Mitte etabliert. Inzwischen hatte sich im Genesungsheim die Anzahl der geisteskranken Kinder erhöht, deren Verlegung in andere Einrichtungen bereits kurzfristig nach der nationalsozialistischen Machtergreifung einsetzte.

Im Februar 1934 folgte die Auflösung der Kinderheilanstalt. Einher ging die Aufnahme von weiteren Hospitaliten und die Übernahme der Bezeichnung „Hufeland Hospital“, die zuvor zur Einrichtung an der Fröbelstraße gehörte.

Nach dem in der benachbarten Heil- und Pflegeanstalt die Euthanasie beendet wurde, zog das Buch Hospital dorthin um. Die leergezogenen Häuser in der Anstalt an der Wiltbergstraße ermöglichten 1941 die Gründung des „Städtischen Krankenhauses Berlin-Buch“. Ehe jedoch seine Konsolidierung abgeschlossen war, musste es 1943 wegen der Bombenangriffe auf Berlin einige Universitätskliniken der Charité aufnehmen, denen auch der 1942 gebaute Operationsbunker im Gartenhof vom Doppelhaus 22 zur Verfügung stand. (2014 abgerissen).

1945 beschlagnahmte die russische Rote Armee das Krankenhaus und nutzte es als Zentrallazarett sowie als Sitz eines Teiles der sowjetischen Sanitätsverwaltung. 1950 ging es zurück an den Ortsberliner Magistrat und gehörte als Allgemeinkrankenhaus zusammen mit den anderen Bucher Krankenhäusern zur größten Gesundheitseinrichtung in Ostberlin.

1963 kam es zur Gründung des Klinikums Berlin-Buch, das mit fünf medizinischen Bereichen und 4.500 Betten zum größten Krankenhausstandort Europas entwickelt werden sollte. Das „Städtische Krankenhaus“ wurde mit dem Sitz der Klinikumsverwaltung der Medizinische Bereich I, der später zusätzlich den Namen „Karl Linser“ erhielt.

Vorhanden waren Kliniken für Frauen, Kinder, für Hautkrankheiten, Infektions- und Tropenmedizin, Strahlen- und Psychotherapie. Es gab zwei Medizinische Kliniken, mehrere Institute, Labore, fünf Polikliniken sowie eine Pathologie. 1984 kam der Neubau der Nuklearmedizinischen Klinik hinzu.

Dienstwohnhäuser, Schwesternwohnhäuser und –etagen sowie eine Kinderkrippe, eine Apotheke, ein Festsaal mit Kantine sind ebenso zu nennen, wie mehrere Häuser mit Fremdnutzung. Zu ihnen gehörten u. a. das Bezirkshygieneinstitut, das Institut für Blutspende- und Transfusionswesen sowie das Institut für Herz-/Kreislaufforschung (zuletzt Franz-Volhard-Klinik). 1957 als Institut für kortiko-viszerale Pathologie und Therapie erbaut, ist es ein Werk des Bauhäuslers Franz Ehrlich, der es nach den Prinzipien des organischen Funktionalismus entwarf. Entstanden ist ein Gebäude, das an die internationale Moderne anknüpfte, sich durch seine ungewöhnlich moderne Gestaltung, die hochwertige technische Ausstattung sowie durch die besondere Therapie – und Forschungstätigkeit auszeichnete. Deshalb ist es bis heute ein Bau- und Gartendenkmal und seltenes Bauwerk innerhalb der DDR-Architekturgeschichte.

Das Klinikum Buch mit ehemals 4.500 Betten und 4.000 Mitarbeitern versorgte 1989 nur noch 3.500 Patienten und wurde nach der Wende aufgelöst. Einher gingen Umstrukturierungen, Schließungen oder Privatisierungen der Krankenhäuser.



Ab Mitte der 1990er Jahre gab es Plan, an der Wiltbergstraße, die medizinischen Bereiche I und VII (ehemals DDR-Regierungskrankenhaus) zusammen zufassen. Im Bereich I sollte ein „Interventionelles Zentrum“ entstehen und die Denkmalbauten als Bettenhäuser genutzt werden. Dies scheiterte und die HELIOS Kliniken GmbH übernahm von 2001 bis 2007 die Anstalt an der Wiltbergstraße, für die danach der Senat einen Masterplan zur Umwandlung in eine Wohnanlage bestätigte.

2012 setzte mit der Übernahme durch das Ludwig Hoffmann Quartier die Realisierung dieser Konzeption ein. Damit erhält ein denkmalgeschütztes Bau- und Gartenensemble eine neue Zukunft. Entstanden nach dem zeitgemäß modernen Prinzip einer Gartenstadt, zeichnet es sich durch seine städtebauliche Raumorganisation und durch die neoklassizistische Architektur aus. Putzfassaden mit Sandsteingliederungen und rot eingedeckte Dächer mit breiten Traufen und Fledermausgauben ergeben einen einheitlichen architektonischen Grundton. Zur Auflockerung der Baukörper wählte der Architekt unterschiedlich entwickelte Dachlandschaften, Seitenflügel, Risalite und in Einzelfällen gerundete Bauteile. Zum Formenkanon gehörte die differenzierte Anwendung von Loggien, Balkonen, Terrassen und Freitreppen. Eine Besonderheit stellen die Säulenhallen an zwei Doppelhäusern dar. Dreiecksgiebel, Säulenportiken, Pilaster, Lisenen, Pfeiler und Säulen verdeutlichen die neoklassische Gestaltung. Medaillons, Rosetten, Mäander, Girlanden, Maskenreliefs und andere Reliefmotive schmücken die Bauten ebenso wie schmiedeeiserne Geländer, Balustraden oder Pflanzenspaliere. Zusätzlich unterstreichen Fensterklappläden den Landhauscharakter an neun Beamtenwohnhäusern, die mit Nutzgeräten in Verbindung stehen.

Die städtebauliche Struktur der Anlage wird durch Gartenhöfe bestimmt, die in Größe und Gestaltung unterschiedlich gewählt wurden. Die architektonisch geprägten Grünräume sollten die Bauten in einer Einheit zusammenfassen, als Erweiterung der Krankenzimmer wirksam werden und den Genesungsprozess der Patienten befördern. Alleen, Baumreihen, geschnittene Hecken und gliedernde Einzelpflanzungen sind ebenso bestimmende Elemente, wie die Vielzahl der Wegachsen. Als Schmuck und Ruhebereiche dienen zahlreiche Brunnen, Pavillons und freistehende Skulpturen. Spätestens jetzt sind die Bildhauer Ignatius Taschner, Josef Rauch und Gerorg Wrba zu nennen.

Bis in die Gegenwart lässt sich die reizvolle Wirkung des Ensembles ablesen, das Ludwig Hoffmann nach funktionalen und ästhetischen Maßstäben überzeugend realisierte und seit 2012 im LHQ erhalten, saniert oder wiederhergestellt wird.