Berliner Bildungssenatorin Sandra Scheeres mit Projektinitiator Andreas Dahlke.

Bildungscampus Buch bietet Platz für 500 Schüler | Berliner Morgenpost 25.2.2017

Ludwig Hoffmann Quartier LHQ News

Die Klassenräume sind so wie sie Kinder und Eltern sich wünschen – groß, hell, schön ausgestaltet und mit modernen Möbel versehen. Es gibt Fachräume und eine große Mensa, Räume in denen Musikinstrumente vorhanden sind und andere, in denen Kunst gemacht werden kann. Auch von außen sehen die Evangelische Grundschule Buch und die Montessori-Gemeinschaftsschule Berlin-Buch sehr einladend aus – top sanierte Denkmale.

Diese beiden Schulen und auch zwei Kitas sind Teil des Ludwig-Hoffmann-Quartiers, das sich in unmittelbarer Nähe des S-Bahnhofes Buch an der Wiltbergstraße befindet. Dort sollen auch fast 800 Wohnungen entstehen. Andreas Dahlke, der das 28 Hektar große Gelände mit den 33 neoklassizistischen Gebäuden seit 2012 zu einem neuen Stadtteil entwickelt und nach eigener Auskunft insgesamt rund 280 Millionen Euro investiert, wollte von Anfang an nicht nur Wohnungen, sondern auch eine Sozialstruktur schaffen. So wurden aus einem Teil der Gebäude, die 1906 zunächst als städtische Irrenanstalt geplant, dann als Lazarett, später als Kindergenesungsheim und zu DDR-Zeiten als ein Teil des Klinikums Buch genutzt worden waren, zwei Schulen und zwei Kitas. Die Schulen haben ihren Betrieb bereits mit dem Schuljahr 2013/14 aufgenommen.

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) ist froh darüber. “Berlin wächst, wir brauchen in den nächsten Jahren 85.000 zusätzliche Schulplätze”, sagte sie am Freitag in Buch bei der Besichtigung der Schulgebäude. Besonders viele Schulplätze würden in Pankow benötigt. “Allein im Grundschulbereich braucht der Bezirk im kommenden Jahr 5000 zusätzliche Plätze, 1000 davon in Buch.” Scheeres begrüßte es deshalb sehr, dass sich auch die Freien Schulen am Ausbau von Plätzen beteiligen.

Wie groß die Not im Bezirk Pankow ist, zeigt sich auch im Fall der Bornholmer Grundschule in Prenzlauer Berg. Dort soll jetzt der Ökogarten, der einen wichtiger Teil des Schulkonzeptes ausmacht, einem Anbau weichen. Eltern und Lehrer protestieren dagegen.

Die Schulkonzepte sind wichtig für Berlin

Bildungssenatorin Scheeres äußerte sich am Freitag auch zu den besonderen Konzepten der beiden Schulen auf dem Gelände des Hoffmann-Quartiers. Die Evangelische Grundschule Buch habe einen inklusiven Ansatz und sei offen für alle Kinder und Jugendlichen, sagte sie. Die Montessorischule habe sich als Gemeinschaftsschule gegründet für Schüler von der ersten bis zur zehnten Klasse. “Die Koalition will diese Schulform ausweiten”, so Scheeres. Die Schule sei außerdem eine Ganztagsschule. Die Kinder würden dort zwischen 6 Uhr und 18 Uhr betreut, für Eltern, die Familie und Beruf vereinbaren müssten, sei das ein gutes Angebot.

Die Schulleiterin der Evangelischen Grundschule Buch, Ulrike Burkowski, sagte, dass für dieses Schuljahr auf 48 vorhandene Plätze 85 Erstklässler angemeldet worden seien. Das Konzept der Schule, die ein Haus des Lernens, ein Haus der Gemeinschaft und ein Haus inmitten des Ortes sein wolle, käme bei den Eltern sehr gut an. “Zu uns kommen auch Kinder aus anderen Bezirken und Brandenburg”, sagte Burkowski. Am Freitag ist im Ludwig-Hoffmann-Quartier nun auch das letzte von insgesamt vier Schulgebäuden den Nutzern offiziell übergeben worden. Mit fast 6000 Quadratmetern bietet dieses dritte Gebäude der Montessori-Gemeinschaftsschule Platz für weitere Klassenräume, eine Schulmensa samt Küche und eine Kita für 82 Kinder. Insgesamt können in den denkmalgeschützten Gebäuden rund 500 Schüler unterrichtet werden. In den beiden Kitas ist Platz für 180 Kinder. Zwei Drittel dieser Plätze sind bereits belegt.

Für Bildungssenatorin Scheeres war es interessant zu sehen, wie es den Architekten gelungen ist, unter Denkmalschutz stehende Gebäude zu Schulen und Kitas umzubauen. “Der Campus ist ein herausragendes Beispiel für eine denkmalgerechte Sanierung”, sagte sie.

Der Campus wurde ohne öffentliche Mittel errichtet

Andreas Dahlke, der den Campus ohne Fördermittel realisiert hat, sagte, dass Schulbauten kompliziert und teurer zu bauen seien als etwa Wohnungen. Schulträger würden zudem keine hohe Miete zahlen können. “Rein kaufmännisch gesehen, ist das kein Geschäft.” Für einen neuen Ortsteil seien Schulen und Kitas aber unbedingt notwendig. Der Campus sei ein gutes Beispiel dafür, dass ein Unternehmen, das zur Wirtschaftlichkeit verpflichtet sei und Geld verdienen müsse, trotzdem etwas für die Allgemeinheit tun könne. “Uns ist es gelungen, unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht zu werden”, sagte Dahlke. Bis 2019 sollen auf dem Grundstück an der Wiltbergstraße neben dem bereits fertigen Campus 800 Wohnungen, eine Sporthalle und eine Senioren-Wohnanlage entstehen. Bisher sind 450 Wohnungen fertig und bezogen.

Quelle: Berliner Morgenpost, 25.2.2017